Hab heute Post bekommen und ich fühle mich irgendwie provoziert. Im Briefkasten lang ein blau-lilaner Brief vom "St. Josefs Indianer Hilfswerk e.V." mit dem Aufdruck "in Geschenk für Sie..".
Lakota-Indianer mit einer herzergreifenden Geschichte und ein kleiner Umschlag mit einem Kreuzkettchen!Der Brief war das dicker und raschelte. Naja, die Sache ist schon klar, die wollen eine Spende, das ist schon ohne Öffnung klar. Am besten wäre es gewesen, den mit Vermerk "Annahme verweigert" zurückzuschicken, aber man ist ja neugierig. Also aufgerissen, reingeguckt, den obligatorichen Überweisungsträger gefunden, einen Brief über die Situation der Den Rest hätte ich ja so einfach in den Papierkorb geworfen, aber mir ein Christenkreuz zu schicken, das ist schon eine Provokation. Einfach auf gut Glück Leuten Kreuze zu schicken, das darf meiner Meinung nach in der heutigen Zeit wo schon 1/3 der Deutschen nicht mehr offiziell Christen sind, nicht vorkommen. Abgesehen davon ist es auch ein großer Kostenfaktor, diese Kreuze herzustellen (selbst wenn die aus China kommen) und zu verschicken.
Nicht das ich jemals den Gedanken gehabt hätte, für so eine Sache zu spenden, aber partout fallen mir zwei Gründe ein, warum ich das auf keinen Fall tun sollte.
1.) Sind die Indianer unser Problem?
Auf diese Frage geht der Schrieb auch ein und meint dazu
Aber in Zeiten des ständig verwendeten Schlagwortes "Globalisierung", müsste es da nicht auch so etwas wie eine Globalisierung der Nächstenliebe weit über die eigenen Grenzen hinaus geben?
Sollte man sich in Zeiten zunehmender Anti-Globalisierungsproteste nicht auch wieder etwas mehr auf die Probleme innerhalb der eigenen Grenzen konzentrieren? Das gleiche Übel wogegen gespendet werden soll, nimmt auch in unserem Land immer mehr zu, so das man vielleicht erstmal den Fokus auf das hiesige Problem lenken sollte. Zudem ist die historische Behandlung der Indianer ein Schandfleck der USA (steht auch so in dem Schrieb), und da sollten die sich erstmal drum kümmern. Vielleicht würden die Kreuzkettchen im dortigen
"Bible Belt" besser ankommen als hier. Deutschland
löhnt auch für seinen Schandfleck.
2.) Warum sollte man an eine mutmaßliche christliche Organisation spenden?
Religionen sind ja eh mein Lieblingshassthema, und man sollte sich fragen, warum sich christliche Geistliche um ein heidnisches Volk kümmern. Ein Volk, das eine eigene Kultur und Religion hat und das evt. schon bald mitsamt diesen Werten untergehen oder in der amerikanischen Gesellschaft aufgehen könnte. Nächstenliebe könnte es natürlich sein, sei es jetzt aus Altruismus oder aufgrund eines christlichen Gebotes, aber als Misanthrop glaub ich nicht daran. Als solcher vermute ich eher, das es darum geht, den armen Indianern die christliche Kultur näher zu bringen, vielleicht nicht unbedingt direkt im Sinne einer Missionierung, sondern vielleicht eher dadurch, dass die positiven Eigenschaften der Christengemeinschaft, also die Spendenbereitschaft und die Seelsorge vorgelebt wird und die Indianer dadurch für´s Christentum zu interessieren. Ist natürlich eine gewagte Unterstellung, aber bei so obskuren Sekten weiss man ja nie wirklich Bescheid. Laut der Beschreibung auf der Missions-Seite der Homepage vom Verein ist zwar die Förderung der Kultur und des Erbes das Ziel aber das Wort
Mission hat noch eine andere Bedeutung
Zu der Homepage, sehr informtiv finde ich die nicht, und meiner Meinung nach erfüllt das Impressum auch nicht die gesetzlichen Anforderungen, was bei mir einen unseriösen Eindruck hinterlässt, vor allem in Verbindung mit dieser Spamaktion mit den Kreuzchen. Googlet man nach
"josefs indianer hilfswerk" dann findet man momentan nur läppische 113 Ergebnisse, was nur bedeuten kann, das die Organisation zum einen sehr unbekannt ist, und zum anderen, das es wohl vorher keine solche Aktion gegeben hat. Ich bin mir sicher, wenn es eine umfangreiche Spam-Aktion gegeben hätte, dann hätte das zumindestens in der Blogosphäre Spuren hinterlassen.
Ich werde die nächsten Tage erstmal ein Einschreiben an den Verein schreiben und Auskunft über Quelle und Umfang der Daten über mich verlangen als auch eine Löschung derselbigen zu verlangen. Ich bin echt neugierig, wo die Quelle sein könnte. Falls eine Quelle sein sollte, wo ich noch als katholisch geführt werde, dann muss der Datenbestand 8 Jahre alt sein, denn 1999 bin ich aus katholischen Kirche ausgetreten.
Ich bin auch mal gespannt, ob in den nächsten Tagen auch weitere Blogeinträge verfasst werden, vielleicht kann man so den Umfang der Aktion abschätzen.